Irgendwas stimmt mit der Headline nicht? Stimmt. Nike + iPod müsste es richtig heissen. Seit Mai 2006 haben Apple und Nike das sogenannte “Nike + iPod Sport Kit” im Programm. In Verbindung mit einem iPod Nano und einem Laufschuh aus der “Nike+” Serie kann sich der betuchte Läufer nun beim Training oder Wettkampf neben seiner Lieblingsmusik über seine aktuellen Trainingsdaten informieren lassen, wie z.B. zurückgelegte Strecke, Durchnittstempo, Kalorienverbrauch usw. Per iTunes lassen sich die Daten dann zu einem eigens erstellten Nikeportal transferieren und dort auch mit Gleichgesinnten teilen.

Das wollte ich natürlich ausprobieren und orderte im Apple Store das Kit, bestehend aus Sender und Empfänger – im Vergleich zu den sonst üblichen Preisen im Apple Store mit 29 Euro durchaus erschwinglich. Allerdings war ich keinesfalls motiviert, mindestens 100 Euro in ein Paar Nike Laufschuhe zu investieren. Seit Jahren mache ich gute Erfahrungen mit ASICS Schuhen und jeder, der schonmal eine Videoanalyse auf einem Runnerspoint Laufband gemacht hat, weiss, dass es nicht unbedingt eine Frage der Marke ist, um den richtigen Laufschuh zu finden. Also griff ich zum Bastelmesser und bearbeitete den rechten Schuh so lange, bis der Sensor in der ASICS Sohle verschwunden war.

ASICS + iPod:
Der Sensor sitzt.

Nach einigen 400 Meter Runden auf dem nahegelegenen Sportplatz war die Technik kalibriert und dem musikalischen Laufvergrnügen stand nichts mehr im Weg. Die angenehme, wahlweise männliche oder weibliche Stimme aus dem Off, blendet von Zeit zu Zeit die laufende Musikwiedergabe sanft aus um motivierende Sprüche zu klopfen. Samstag morgen war es dann soweit für den Produktiveinsatz. Dem strömenden Regen trotzend ging es quer durch den Berliner Friedrichshain. Vielen Dank an dieser Stelle an Sandra und Henne für Eure Begleitung!

Die Trainingsergebnisse
auf nikeplus.nike.com

David gegen Goliath: Patent Nr. EP 1101511 B1

Der Beweis ist also erbracht: Nike + iPod funktioniert auch ohne Nike. Stellt sich die Frage, ob das überhaupt erlaubt ist. Schließlich untergrabe ich damit ein Geschäftsmodell, mit dem die beiden Konzerne Millionenumsätze machen. Kein Problem, könnte man meinen, wenn es da nicht einen spannenden Patentstreit gäbe, der für die Anmelder leider ohne Happy End endete. Am 15. November 2000 meldete ein deutsches Trio seine Erfindung “Verfahren und tragbares Trainingsgerät zum Optimieren eines Trainings” zum Patent an. Beschrieben wird ein Gerät namens “Runman”, das Tempo, Puls und zurückgelegte Strecke messen, in Anweisungen übersetzen und per Kopfhörer ins Ohr senden soll. Acht Jahre und etliche erfolglose Versuche später, Partner für die Realisierung zu finden, verkaufen sie ihr Patent für 680 000 Dollar entnerft an eine Anwaltskanzlei aus Los Angeles. Die Auftraggeber der Kanzlei bleiben unbekannt, während Nike und Apple bereits geschätzte 200 Mio. Dollar Umsatz mit dem “Nike + iPod Sport Kit” und mit dem zusätzlichen Verkauf von iPod Nanos und Nike+ Schuhen gemacht haben. Das brand eins Magazin berichtete in seinem Artikel “Die Marathon-Männer oder drei Freunde gegen einen Milliardenkonzern” ausführlich darüber.

Bleibt also nur zu hoffen, dass keine ominöse amerikanische Anwaltskanzlei über mein kleines Experiment stolpert und eine millionenschwere Schadensersatzklage anstrengt, um die Umsatzausfälle bei Nike Laufschuhen auszugleichen. Aber vielleicht springt mir ja in diesem Fall die ASICS Corporation mit einem gut dotierten Beratervertrag rettend zur Seite. Ich fange am besten schon mal an, japanisch zu lernen …