Von Montag bis heute fand die Patent Information Conference des Europäischen Patentamtes (EPO) in Stockholm statt. Die spannendste Frage, die traditionell immer erst in der letzten Session beantwortet wird, ist jedes Jahr: Wo findet die nächste EPOPIC statt? Hier gleich die Antwort: 2009 wird wohl im mondänen Biarriz an der französischen Atlantikküste konferiert!

Hier ein paar für mich interessante Highligths von der Konferenz:

Die bisher nur für den akademischen Bereich verfügbaren PatStat Daten des EPO werden zukünftig für 1.000 € für “jeden” käuflich zu erwerben sein. PatStat umfasst sämtliche bibliographischen Daten der durch das EPO zusammen getragenen internationalen Patentinormationen (ca. 90 Ämter), als CSV Datei einfach in Datenbanken für statistische Auwertungen zu importieren.
Die Web Services des EPO werden mit Version 2 stark verbessert – und jetzt sogar mit CQL (Contextual oder Common Query Language) versehen. Anwendungen können mittels SOAP jetzt Suchanfragen in dieser Suchsprache auf den Daten des EPO ausführen. Bisher konnten nur mittels vorhandenem Aktenzeichen Daten geladen werden.

Thema bei den Mitbewerbern war – vor allem bei den drei grossen Datenbank Providern (Thomson Reuters, Questel und STN) – die Qualität und Abdeckung ihrer Datenbasis. Jeder meldet immer höhere Zahlen, bessere Integration, höhere Qualität. Weiterhin keinen echten Durchbruch gibt es bei den asiatischen Patentinformationen, sie sind relativ zeitnah nach Veröffentlichung als “nur” Maschinen Übersetzungen verfügbar. Qualitativ hochwertige Übersetzungen kosten viel Geld und sind nur auf Basis von bereits identifzierten Dokumenten möglich. Keines der asiatischen Ämter konnte dazu bewegt werden, zumindest auch in Englisch zu publizieren. Damit wird auch in Zukunft das Thema Sprachbarriere das internationale Patentsystem belasten.
Etwas anderes zog sich durch viele Präsentationen: immer wieder war von “Noise Reduction” und “Ranking” die Rede. Nachdem im letzten Jahr eher die grafischen Statistiktools gestresst wurden, ist es diesmal eben Text Mining und Machine Learning. Hier denke ich, dass diese Lösungen sicher eine gute Unterstützung sein können – aber eben nur eine Unterstützung. Die zugrunde liegenden Technologien erscheinen intransparent, bzw. sind zugekaufte Lösungen kleiner inovativer Unternehmen, die nicht primär für Patentinformationen entwickelt wurden.

Zum Schluss noch ein paar Worte zum Rahmenprogramm, das aufgrund des baldigen Ausscheidens von EPO VicePresident Curd Edfjäll diesmal wohl besonders aufwendig gestaltet wurde. Dienstag Abend fand der Empfang im Saal des Stockholmer Rathauses statt. Wirklich ein beeindruckender Raum, der bekannt ist für die Verleihung der Nobelpreise. Und gestern Abend fand eine Besichtigung des durch Kerzen beleuchteten Freilichtmuseums Skansen statt, wo mich besonders die traditionellen Lieder in einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden Holzkirche beeindruckt haben.

Für weitere Eindrücke aus Stockholm und von der Konferenz sei mir hier noch gestattet, auf meinen Tweet und mein Flickr zu verweisen.